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Interviews aus Juergen Daums
Buch:
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Auszug
aus dem Interview mit David P.
Norton, Miterfinder des Balanced Scorecard
Konzeptes:
Jürgen
Daum: Ich
kann mich erinnern, wie Sie auf einer Ihrer Konferenzen sagten, dass einer der
wesentlichen Unterschiede zwischen einem sachanlagen-orientiertem Unternehmen
und einem das mehr auf Intangible Assets basiert, die Tatsache ist, dass
letzteres wesentlich schwieriger zu managen ist, da Intangibles eigentlich nur
einen potentiellen Wert darstellen, der erst durch ein strategisches
Management System wie die Balanced Scorecard in finanzielles Ergebnis
umgesetzt werden kann.
David
Norton:
Ja, genau. Ein wichtiger Unterschied zwischen einer Sachanlage und eines
Intangible Assets wie z.B. Wissen ist, dass es keine 1:1 Beziehung zwischen
dem Intangible Asset und einem finanziellen Output gibt. Wenn ich meine
Mitarbeiter auf ein Trainingsprogramm für einen Monat schicke, kann ich nicht
direkt aufzeigen, dass die Verkaufszahlen stiegen oder Kosten sinken.
Stattdessen muss ich sicherstellen, dass sich durch das Training so etwas wie
Qualitätsverbessung einstellt, und wenn sich die Qualität verbessert, könnte
sich das Vertrauen der Kunden in das eigene Unternehmen und dessen Produkte
verbessern, und wenn sich das Vertrauen der Kunden verbessert, steigen dann
vielleicht die Verkaufszahlen.
Deshalb
kann man den Wert eines Intangible Assets nicht isoliert feststellen.
Wertmanagement auf Basis von Intangible Assets funktioniert eher wie ein
Kochrezept: es bedarf mehrerer Zutaten. Training ist nur eine. Sie müssen zum
Beispiel auch in Informationstechnologie investieren, sie müssen ein
Incentive-Programm aufsetzen und schließlich auch Leadership zeigen.
Man
muß mehrere Intangible Assets kombinieren, um konkrete Ergebnisse zu erzielen.
Und ein Finanzsystem kann diesen Prozess der Wertschöpfung unmöglich
beschreiben. Das Finanzsystem produziert immer nur Snapshots: es ist nicht in
der Lage die zeitliche Logik von Ursache und Wirkung darzustellen. Das
Finanzsystem schaut auf „Fertigungsstunden“ als eine Kategorie und „Lagerbestand“
als eine andere. Sie sind nicht in der Lage, verschieden Assets zu einem, was
ich ein strategischen Rezept nenne, zu integrieren. Und das ist der Grund,
weshalb die Balanced Scorecard so populär wurde. Genauso wie sich die
Wirtschaft insgesamt immer mehr von einer sachanlagen-intensiven zu einer
intangibles-intensiven Wirtschaft gewandelt hat, genauso wird sich auch das
interne und auch externe Berichtswesen der Unternehmen von einem
finanzorientiertem Reporting zu einem Balanced Scorecard Reporting wandeln.
Jürgen
Daum:
Sie reden über die „Strategy-focused Organization“. Weshalb ist diese
wichtig?
David Norton: Jedes Managementsystem setzt einen Fokus. Typischerweise ist dieser Fokus die finanzielle Performance. Was wir bei unserer Arbeit mit zahlreichen Unternehmen gelernt haben ist, dass wenn Sie ihre Strategie - Ihr Rezept wie Sie Wert, zum Beispiel mit Ihrem Intangible Assets schaffen möchten - erfolgreich umsetzen wollen, diese zum Fokuspunkt Ihres Managementsystems machen müssen. Sie müssen Ihre Mitarbeiter entsprechend der Strategie schulen. Das Entlohnungs- und Prämiensystem sollte sich an der Strategie ausrichten. Wenn Sie Ressourcen im Unternehmen durch Budgets zuteilen, dann sollte dies entsprechend der Strategie geschehen. Dies scheint offensichtlich zu sein, aber es geschieht einfach nicht in den meisten Unternehmen. Ich denke, dass der Durchbruch, den die Balanced Sorecard hier bringt, damit zu tun hat, dass ein Unternehmen nun zum ersten Mal eine Möglichkeit hat, seine Strategie zu beschreiben, weil sie es erlaubt auch nicht-finanzielle Faktoren, also Intangible Assets, zu berücksichtigen und zu zeigen, wie diese zum Finanzergebnis in Beziehung stehen. Und wenn Sie diese beschreiben können, dann können Sie sie auch managen.
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Auszug
aus dem Interview mit Leif
Edvinsson, dem geistigen Vater des Konzeptes des
Intellectual Capital und der Pioneer bei dessen Anwendung beim schwedischen
Finanzdienstleister Skandia:
Juergen Daum: Weshalb investieren Unternehmen heute mehr in Intangible Assets oder
Intellectual Capital als in der Vergangenheit?
Leif
Edvinsson:
Der Grund ist, dass industrielle Wertschöpfungsketten nicht mehr die ökonomische
Wertschöpfung dominieren. Stattdessen ist es heute Innovation, die laufende
Suche nach neuen Wegen um Markt- und Kundenbedürfnisse zu befriedigen, die
den größten wirtschaftlichen Ertrag bringt. Und das bedeutet, dass Sie als
Unternehmen in Ihr Intellectual Capital investieren müssen. Sie müssen in
„Knowledge Upgrading“ investieren und in Strukturen, die Ihnen helfen zu
innovieren und einen Unterschied zu machen.
Juergen
Daum:
Welches sind die Komponenten von Intellectual Capital ?
Leif
Edvinsson:
Eine Komponente sind die Menschen, Mitarbeiter, Humankapital. Die zweite ist
das, was Menschen in einer Organisation umgibt, das was ich „Structural
Capital“ nenne – all die Intangible Assets die übrig bleiben, wenn die
Mitarbeiter nach Hause gehen. Und dazu zähle ich: interne Prozesse und
Strukturen, Datenbanken, Kundenbeziehungen und so weiter. Durch „Structural
Capital“ setzen Sie eine Organisation in die Lage, ihr Humankapital
produktiver zu machen. Es geht dabei nicht darum, dass die Mitarbeiter härter
arbeiten. Es geht darum, dass sie „smarter“ sind bei Ihrer Arbeit, indem
sie das „Structural Capital“ der Firma nutzen. Und das ist es was den
wirklichen Wert einer Organisation darstellt: nicht Finanzkapital, nicht
Humankapital, sondern ihr „Structural Capital“.
Juergen
Daum:
Sie haben diese Prinzipien bei Skandia in Schweden, in der Rolle des weltweit
ersten „Director of Intellectual Capital“ während eines tiefgreifenden
strategischen Transformationsprozesses der Firma angewandt. Dieser verlief
sehr erfolgreich. Was hat sich wie in der Firma verändert ?
Leif
Edvinsson:
Zunächst mal das Denken, zweitens das Berichtswesen, und drittens, wie wir
Innovation managen oder besser kultivieren. Wenn Sie etwas verändern möchten,
müssen Sie zuerst das Denken der Leute ändern – ihren „Mindset“. Und
wenn Sie das Denken ändern wollen, müssen Sie eine andere Taxonomie, eine
andere Sprache entwickeln. Und diese Sprache muss von Ihrem Gegenüber
verstanden werden. Wenn Sie also mit jemandem kommunizieren möchten, der eher
ein Zahlenmensch ist, zum Beispiel mit Ihrem CFO, dann müssen Sie Zahlen
entwickeln. Deshalb haben wir bei Skandia eine Zahlensprache für unser
Intellectual Capital entwickelt – der sogenannte „Navigator“. Der
„Navigator“ ist eine Art Balanced Scorecard, die wir verwendet haben um über
unsere Kundenbeziehungen, interne Prozesse, Humankapital und unsere
Finanzergebnisse zu berichten. Diese Zahlen stellten dann auch die Basis für
unseren „Supplement Report“ zu unserem Geschäftsbericht dar, mit dem wir
unsere Investoren und Stakeholder in die Lage versetzten, den wahren Wert des
Unternehmens zu verstehen. Als nächstes etablierten wir dann ein „Future
Center“.
Juergen
Daum:
Was ist das ein “Future Center” ?
Leif
Edvinsson:
Das Skandia Future Center ist ein Labor für Organisationsentwicklung. Es
dient quasi als Arena für Wissens-Safaris, Wissens-Meetings und
Simulationskonzerte. Während der ersten beiden Jahre, als ich es gemanagt
habe, hatte das Center fast 12000 Besucher zu verzeichnen, die gekommen waren,
um zum Beispiel Modelle für ein wissensbasiertes Unternehmertum in einem
Umfeld zu testen, das neue Ideen und kreative Prozesse begünstigt. Das Future
Center ist ein Ort, an dem sich Menschen von Skandia mit Menschen treffen, die
sie normalerweise nicht treffen. Und es ist auch ein Ort, der sich sehr von
dem unterscheidet, an dem sie normalerweise arbeiten. Es ist ein Raum für
Prototyping.
Juergen
Daum:
Welche sind die Management-Herausforderungen der Zukunft ?
Leif Edvinsson: Ich denke, eine der großen Fronten für das Management wird in der Zukunft das sein, was ich „Knowledge Care“ nenne. Und „Knowledge Care“ bedeutet, wie Sie sich als Führungskraft um das implizite Wissen Ihrer Mitarbeiter kümmern. Burn-out ist leider die am schnellsten sich ausbreitende Krankheit unter Knowledge Workern in der ganzen Welt. Und das ist kontraproduktiv - auch für die Organisationen, nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter. Talente mit Burn-out sind keine Talente mehr und werden nicht mehr in der Lage sein, zu wertschaffenden Innovationen beizutragen. Es ist eine Verschwendung von Kapital, von Humankapital. Firmen sollten sich deshalb mehr auf ihr „Structural Capital“ konzentrieren. Und das bedeutet, dass sie Arbeitsregelungen und ein Arbeitsumfeld schaffen müssen, das es zum Beispiel „Wissens-Nomaden“ erlaubt, im Unternehmen täglich zwei bis vier Stunden mit dem vorhanden „Structural Capital“ zu arbeiten. Teilzeit ist das Arbeitskonzept der Zukunft. Und dieser Trend wird die Natur und den Charakter von wertschaffenden Interaktionen in Unternehmen verändern. Es wird einen gewaltige Veränderung geben, die sowohl das traditionelle Management von Unternehmen aber auch die Politik zu einer Transformation herausfordern wird, um die Optionen zu sehen, das bestehende in etwas Neues, Besseres zu verwandeln.
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