The new New Economy Analyst
Report – March 06, 2002
Juergen Daum’s new New
Economy Best Practice service
©2002 Juergen Daum. All rights reserved.
Baruch
Lev
ist Professor für Rechnungswesen und Finanzen
an der Leonard N. Stern School of Business der New York University,
Direktor des Vincent C. Ross Instituts für Accounting Research und
für das Forschungsprojekt
zu Intangible
Assets. Er ist ein international anerkannter Experte im Bereich Intangible
Assets Accounting und Reporting1.
Er arbeitet eng mit Institutionen wie der U.S. Securities and Exchange
Commission und dem Financial Accounting Standards Board, der OECD, der Europäischen
Union und dem Brookings Institute zusammen (siehe auch
unten: Lev's Congressional testimony in the Enron case, February 6, 2002).
Dies ist eine gekürzte Version2
eines Interviews mit Leif Edvinsson aus dem Buch „Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu Schaffen”3 von Jürgen Daum. Diese gekürzte Version
ist im Newsletter “Controlling & Finance, Ausgabe 02/2002 erschienen.
Jürgen Daum: Warum ist das traditionelle Accountingmodell in
unserer wissens- und informationsbasierten Ökonomie ein Auslaufmodell ?
Baruch Lev: Eines der Hauptproblem ist, dass das Accounting
immer noch auf Transaktionen, wie z.B. einem Verkauf, basiert. Aber in der
heutigen wissensbasierten Ökonomie werden oft
Werte geschaffen oder vernichtet lange bevor z.B. eine Verkaufstransaktion
stattfindet. Die erfolgreiche Entwicklung eines neuen Medikaments schafft
beträchtlichen wirtschaftlichen Wert, aber die Realisierung dieses Wertes, der
Verkauf, kann jahrelang auf sich warten lassen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird im
Rechnungswesen keiner dieser geschaffenen Werte ausgewiesen, während die
entsprechenden Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung, als Aufwand
verbucht werden. Diese unterschiedliche Behandlung von geschaffenen Werten und
den zugehörigen Investitionen im Accounting ist der Hauptgrund für die
wachsende Lücke zwischen dem Marktwert von Unternehmen und dem, was in der
Bilanz berichtet wird.
Jürgen Daum: Warum werden Intangible Assets von Unternehmen
nicht als Assets verbucht ?
Baruch Lev: Intangible Assets, z.B. ein neuentwickeltes
Medikament oder ein Softwareprogramm, Marken oder einzigartige
Organisationsformen, die einen Wettbewerbsvorteil darstellen, werden im allgemeinen
nicht frei gehandelt und die Eigentumsrechte an solchen Assets können von dem
jeweiligen Unternehmen oft nicht vollständig gesichert werden. Das mit diesen
Assets verbundene Risiko - z. B. das Risiko in Zusammenhang mit der Entwicklung
eines Medikament oder eines
Softwareprogramm - ist somit im allgemeinen höher als das mit Sachanlagen verbundene
Risiko. Nach den heutigen GAAP dürfen deshalb die entsprechenden Aufwendungen
nicht aktivitiert werden
Jürgen Daum: Der sogenannten „Dotcom-Hype“ basierte fast
vollständig auf Immaterialität und hat gezeigt, dass die mit Intangibles verbundenen Risiken durchaus
real sind.
Baruch Lev: Was im Fall des Internets geschehen ist, ist
auch mit anderen revolutionären Erfindungen geschehen. Die Menschen sind
angesichts neuer Technologien immer zu enthusiastisch. So war es mit der
Elektrizität, mit der Eisenbahn und mit dem Automobil. Am Anfang fürchtet
jeder, den Zug zum sicheren Reichtum zu verpassen und investiert viel Geld in
die neuen Aktien. Erst später wird es plötzlich zweifelhaft, ob man mit solchen
Investitionen überhaupt Geld verdienen kann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab
es allein in den USA 200 Automobilhersteller. Die Leute waren über diese
Unternehmen begeistert, und die Aktienkurse schossen in die Höhe. Heute haben
wir noch drei, eigentlich nur zwei Automobilhersteller, da Chrysler nun Teil
von Daimler-Chrysler ist. Das Internet ist also ein spezielles Phänomen, das
mit einer neuen Technologie zu tun hat. Sie können es nicht mit etablierten
Märkten und Unternehmen vergleichen. Wenn aber Investoren über zuverlässigere
Informationen über die Intangible Assets dieser Internet-Unternehmen verfügt
hätten, wäre es einfacher gewesen, ihren tatsächlichen Wert einzuschätzen. Das
Fehlen zuverlässigere Informationen über Intangible Assets stellt heutzutage
ein großes wirtschaftliches und soziales Problem dar.
Jürgen Daum: Weshalb
?
Baruch Lev: Das GAAP basierende Accounting und Reporting
liefert nur unzureichende Informationen über Intangibles, was dazu führt, dass
Investoren im Dunkeln tappen und Manager sich auf Vermutungen stützen müssen.
Zusammen mit Kollegen habe ich über 1500 forschungs- und entwicklungsintensive
Unternehmen untersucht. Dabei haben wir feststellen können, dass Unternehmen,
deren F+E-Aufwand stark wächst und die gleichzeitig nur ein geringes
Erlöswachstum aufweisen – typisch für junge, stark von Intangible Assets
abhängige Unternehmen - von Investoren systematisch unterbewertet werden. Dadurch
erhöhen sich nicht nur die Kapitalkosten für diese Unternehmen, sondern die
Kosten zur Finanzierung des künftigen Wohlstands ganzer Volkswirtschaften. Es
wird möglicher Wohlstand verhindert, da Investitionskapital nicht dahin gelenkt
wird, wo es am produktivsten eingesetzt werden könnte.
Jürgen Daum: Was für ein Accounting und Reporting-Modell
schlagen Sie stattdessen vor ?
Baruch Lev: Die
für Manager und Investoren heute wichtigsten Informationen betreffen die „Value
Chain“ eines Unternehmens. Und mit Value Chain meine ich den
Innovationsprozess, der mit der Discovery-Phase beginnt, wo die Ideen zu neuen
Produkten und Services entstehen. Dann folgt die Entwicklungsphase in der diese
Ideen in neue Produkte oder Services implementiert werden und die
technologische Machbarkeit festgestellt wird, was dann schließlich in die Phase
der Vermarktung kulminiert. Durch diesen Innovationsprozess wird in den
heutigen wissensbasierten Unternehmen
aus nahezu allen Branchen wirtschaftlicher Wert geschaffen. Ich empfehle also
als ein wichtiges ergänzendes Element des neuen Accountingsystems einen
sogenannten Value Chain Blueprint, ein kennzahlenbasiertes Informationssystem,
sowohl für das interne als auch externe Berichtswesen, das in strukturierter
und standardisierter Form über den Innovationsprozess berichtet.
Jürgen Daum: Und
welche Verbesserungen schlagen Sie für das Accounting selbst vor ?
Baruch Lev: In einem zweiten Schritt müssen die bislang
üblichen Verfahren im Financial Accounting ebenfalls angepasst werden. Das
nahezu vollständige Ignorieren von Intangibles als „Assets“ gefährdet die
Sinnhaftigkeit der Bilanz. Noch problematischer an dieser Praxis ist ihr Effekt
auf die Gewinn- und Verlustrechnung:
Aufwand und Erlöse, die eigentlich zusammen gesehen werden müssten, werden in
unterschiedlichen Perioden berichtet und für den Leser ist kein Zusammenhang
mehr herstellbar. Wenn z. B. F+E-Projekte die Phasen von der Konzeption über
technische Machbarkeitstests, wie z.B. Alpha- und Beta-Tests bei Softwareprodukten,
bis hin zum fertigen Produkt
durchlaufen, nimmt das Risiko bezüglich der technologischen Machbarkeit und des
kommerziellen Erfolgs kontinuierlich ab. Deshalb schlage ich vor, Investitionen
in Intangible Assets mit positiven Ertragsaussichten, die z.B. durch
vorgegebene technologische Tests belegbar sind, im Accounting als Assets zu
behandeln.
Jürgen Daum: Was empfehlen Sie Managern in der aktuellen wirtschaftlichen Situation
im Hinblick auf Intangible Assets ?
Baruch Lev: Manager sollten die Fähigkeit entwickeln, den
erwarteten Return on Investments im Bereich Forschung und Entwicklung,
Mitarbeiter-Fortbildung, Informations-technologie, Markenführung und bei
anderen Intangible Assets zu ermitteln, und diesen mit dem Ertrag von
Investitionen in Sachanlagen zu vergleichen, um eine optimale Allokation der
Unternehmensressourcen sicherzustellen. Allerdings verfügen die meisten
Unternehmen heute nicht über die erforderlichen Informationen und die
Management-Werkzeuge, die es ihnen erlauben Intangible Assets effektiv zu
managen. In solche Managementsysteme zu investieren, könnte deshalb eine
wichtige Aufgabe werden – gerade in einer wirtschaftlichen Abschwungphase. In
einem wirtschaftlichen Umfeld, das Unternehmen stärker fordert, sehe ich die
Notwendigkeit zu erhöhter Aufmerksamkeit für Intangible Assets, die wichtigsten
Werttreiber für Unternehmenswert und Wachstum - sowohl seitens des Managements
als auch seitens der Investoren. Der Zeitpunkt ist gekommen, Intangible Assets
in den internen Managementprozessen, als auch in der Aktien- und
Portfolio-Analyse von Investoren vollständig zu berücksichtigen.
Jürgen Juergen Daum:
This trend to report to the outside not just financial but also more
non-financial figures in a structured way is very interesting. I discussed this
recently with controlling experts here in Germany. And the fact is, that
controllers here are already required to be involved in this type of
communication on the none-financial
drivers, which provide external parties, mainly investors, with insight into
the long- term
value creation process of the company.
David Norton:
Yes, I think you will probably see that happen faster in Europe than in the US.
The trend is happing in both places,.
bBut
the US tends to be much more reserved about communicating bad information to
shareholders. So there is a real
reluctance on the part of corporate executives to communicate anything they
don’t have to. I think that’s less so in Europe. You tend to see more
innovation that way.
Daum:
Professor Lev, vielen Dank für das interessante Interview.
1 siehe: Baruch Lev, Intangibles: Management,
Measurement, and Reporting, (Washington, D.C.: Brookings Institution Press,
2001), ISBN 0- 8157-0094-6 – Buch Rezension
2 Dieses gekürzte Interview wurde im Newsletter
“Controlling &
Finance”, Ausgabe 02/2002 veröffentlicht.
3 Jürgen H. Daum, "Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu schaffen" , Galileo Business, ISBN 3-89842-112-0, April 2002
Lev's Congressional testimony in the Enron case:
Baruch
Lev hat vor dem Committee on Energy and Commerce des US Congress seine
“testimony on accounting issues in the Enron case” am 6. Februar 2002
vorgestellt. Darin stellt er fest, dass das gegenwärtige
Rechnungslegungssystem sich immer noch an der industriellen Tangible Assets
basierten Wirtschaft orientiert und nur vergangene Transaktionen aufzeichnet.
Was nicht erfasst und darstellt wird sind Intangible Assets, „Unexecuted
Obligation“ und die Risikosituation des Unternehmens:
Lev's
Congressional testimony in the Enron case, February 6, 2002
Follow-Up
Congressional Questions from February 20, 2002
Lev's
Answers to Congressional Questions
Weitere Quellen zum Thema Intangible Assets:
Buch des Monats Oktober
2001: “Intangibles: Management, Measurement, and Reporting” von Baruch Lev
Interview mit Leif
Edvinsson: Intellectual Capital: Aktivposten Wissenskapital
Interview with David P.
Norton: "Intangible Assets and the Balanced Scorecard"
Die wachsende Bedeutung von Intangible assets erfordert neue Accounting,
Controlling und Managementsysteme - in einem
Interview mit sapinfo.net erläutert Jürgen H. Daum, Director Program Management
für mySAP Financials bei der SAP AG, die Rolle von Intangible Assets in der
Unternehmensführung.
Corporate Performance
Management: Managing profitability and growth in the new environment – Artikel von Jürgen Daum
How accounting gets more
radical in measuring what really matters to investors – Artikel von Jürgen Daum
Today’s #1 management
challenge: How to better exploit intangible assets to create value –
Artikel von Jürgen Daum
Business Management in the
new, New Economy - How to exploit Intangible Assets to Create Value
-
Vortrag von Jürgen Daum bei
der Europäischen mySAP Financials Conference im Juni 2001 in Basel / Schweiz
The new FASB rules for reporting on Intangible
Asset - The European versus the U.S. way - Bericht
über die neuen US-GAAP Regeln zur Behandlung von Goodwill und Intangible Assets
als dem amerikanischen Ansatz, mit Intangibles umzugehen, sowie eine
Zusammenfassung der neuen Regeln, die in Kürze in Dänemark gelten und die
Firmen verpflichten, über ihr Intellectual Capital im Rahmen des
Jahresabschlusses zu berichten.
Mehr zu diesem Thema finden Sie auch
im new New
Economy Analyst Report (siehe Beispiel). Um Juergen
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