The new New Economy Analyst
Report – July 18, 2001
Juergen Daum’s new New
Economy Best Practice service
©2001 Juergen Daum. All rights reserved.
News categories: the New Economy Economics, enterprise and
business strategy, strategic enterprise management and business performance
management, value based management
David Norton ist –
zusammen mit Harvard Professor Robert S. Kaplan – der Entwickler des Balanced Scorecard Konzeptes1. Er
ist Mitgründer und President der Balanced Scorecard Collaborative Inc. in Boston, USA (http://www.bscol.com/), deren Ziel es ist, die
Balanced Scorecard weltweit bekannt zu machen, das Konzept laufend zu erweitern
und dessen Konsistenz sicherzustellen. Daneben bietet das Unternehmen Service
Leistungen für Balanced Scorecard Nutzer an.
Dies ist eine gekürzte Version2
eines Interviews mit David Norton aus dem Buch „Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu Schaffen”3 von Jürgen Daum. Juergen Daum arbeitete
bereits zuvor mit David Norton zusammen, und zwar an SAPs White Paper “Strategic Enterprise Management –
Strategien erfolgreich umsetzen: Die Balanced Scorecard” (Mai 2000)
Jürgen Daum: Weshalb
ist Strategie Management gerade heute so wichtig ?
David Norton: Strategie war immer schon wichtig. Was sich aber
geändert hat ist, wie Wert in der neuen Ökonomie geschaffen wird. Die neuen
Werttreiber sind Intangible Assets, beispielsweise das Wissen Ihrer
Mitarbeiter, Computer Systeme und Software, Ihre Geschäftsprozesse, und eine
Unternehmenskultur die Ihnen Innovation ermöglicht. Unternehmen verstehen heute
zwar, was sie tun müssen, um erfolgreich zu sein. Sie besitzen aber nicht die Managementinstrumente, die sie in die
Lage versetzen, das auch umzusetzen. Das Ergebnis ist, dass 7 von 10
Unternehmen bei der Strategieumsetzung scheitern.
Jürgen Daum: Warum scheitern sie ?
David Norton: Es liegt an einem wesentlichen Unterschied
zwischen neuer und alter Ökonomie: es gibt keine 1:1 Beziehung zwischen einem Intangible
Asset, wie z.B. dem Wissen der Mitarbeiter und dem finanziellen Ergebnis. Wenn
ich meine Mitarbeiter für einen Monat auf eine Schulung schicke, kann ich nicht
direkt aufzeigen, dass Verkaufszahlen steigen oder Kosten sinken. Stattdessen
muss ich sicherstellen, dass sich durch das Training so etwas wie
Qualitätsverbesserung einstellt, und wenn sich die Qualität verbessert, könnte
sich das Vertrauen der Kunden in das Unternehmen und dessen Produkte
verbessern, und wenn dies geschieht, dann verbessern sich vielleicht die
Verkaufszahlen. Das wesentliche Merkmal
eines Intangible Asset ist, dass Sie die Schritte beschreiben müssen, die zur
entgültigen Wertgenerierung führen. Und genau das ist es, was Strategie ausmacht.
Jürgen Daum: Wo sind dabei die Grenzen
des finanzorientierten Managementsystems ?
David Norton: Man kann den Wert eines
Intangible Asset nicht isoliert feststellen. Wertmanagement auf Basis von
Intangible Assets funktioniert eher wie ein Kochrezept: es bedarf mehrerer
Zutaten. Schulung ist nur eine. Sie müssen zum Beispiel auch in
Informationstechnologie investieren, sie müssen ein Incentive-Programm
aufsetzen und schließlich auch Leadership zeigen. Ein Finanzsystem kann diesen
Prozess der Wertschöpfung unmöglich beschreiben. Das Finanzsystem produziert
immer nur Snapshots: es ist nicht in der Lage, die zeitliche Logik von Ursache
und Wirkung darzustellen. Es ist nicht in der Lage, verschiedene Assets zu
einem, sagen wir, „strategischem Rezept“ zu integrieren. Und das ist der Grund,
weshalb die Balanced Scorecard so populär wurde.
Jürgen Daum: Warum ist eine
“Strategy-focused Organization” wichtig ?
David Norton: Jedes Managementsystem
setzt einen Fokus. Typischerweise ist dieser Fokus die finanzielle
Performance. Was wir bei unserer Arbeit
mit zahlreichen Unternehmen gelernt haben ist, dass Sie ihre Strategie, wenn
Sie diese erfolgreich umsetzen wollen, zum Fokuspunkt Ihres Managementsystems
machen müssen. Sie müssen Ihre Mitarbeiter entsprechend der Strategie schulen.
Das Entlohnungs- und Prämiensystem sollte sich an der Strategie ausrichten.
Wenn Sie Ressourcen im Unternehmen durch Budgets zuteilen, dann sollte dies
entsprechend der Strategie geschehen.
Dies scheint offensichtlich zu sein, aber es geschieht einfach nicht in
den meisten Unternehmen. Ich denke, dass der Durchbruch, den die Balanced
Sorecard hier bringt, damit zu tun hat, dass ein Unternehmen nun zum ersten Mal
eine Möglichkeit hat, seine Strategie zu beschreiben, weil sie es erlaubt auch
nicht-finanzielle Faktoren, also Intangible Assets, zu berücksichtigen und zu
zeigen, wie diese zum Finanzergebnis in Beziehung stehen. Und wenn Sie diese
beschreiben können, dann können Sie sie auch managen.
Jürgen Daum: Weshalb sollte dies als
kontinuierlicher Prozess organisiert sein ?
David Norton: Die Balanced Scorecard
beschreibt die Theorie Ihrer Strategie. Sie glauben, wenn Sie A tun, geschieht
B. Sie müssen nun beginnen dies mit Hilfe Ihres Feedback-Systems zu
verifizieren. Sie sollten die Frage stellen: wenn ich A tue, geschieht B
wirklich? Wenn ich beispielsweise meine Leute schule, verbessert sich die
Qualität? Und wenn sich die Qualität verbessert, wirkt sich das positiv auf die
Kundenbindung aus? Wenn Sie Erfolg haben wollen, müssen Sie dies kontinuierlich
tun.
Jürgen Daum: Wie hilft die Balanced
Scorecard dem Management Team ?
David Norton: Diese Leute sind an die
Spitze gelangt, weil sie die besten in ihrer jeweiligen Nische waren. Der
Finanzchef, der Personalchef, der Fertigungsleiter oder der Marketingleiter,
jeder beherrscht eine sehr komplexe Disziplin. Und wenn sie an die Spitze
gelangen, verstehen sie zwar sehr viel von ihrem jeweiligen Fach, in dem sie
groß geworden sind, aber sehr wenig von dem der anderen. Eines der wunderbaren
Dinge die passieren, wenn sie nun ihre Strategie mit Hilfe der Balanced
Scorecard entwickeln, ist, dass diese Manager nun etwas über die übrigen
Bereiche lernen. Dies schafft ein gemeinsames Bewusstsein, das durch das
Verständnis der verschiedenen Teile der Strategie und wie sie selbst da hineinpassen,
entsteht. Die Manager beginnen nun im Team daran zu arbeiten.
Jürgen Daum: Welches sind die
Vorteile eines Balanced Scorecard basierten Management Systems?
David Norton: Untersuchungen, die wir
durchgeführt haben, zeigen, dass sieben von zehn oder sogar neun von zehn
Unternehmen, die eine Strategie verfolgen, nicht in der Lage sind, diese
erfolgreich umzusetzen. Im Gegensatz dazu überwinden Balanced Scorecard
Unternehmen diese Schwierigkeiten – mit teilweise dramatischen Ergebnissen. Wir
haben eine Reihe von Fallbeispielen von Unternehmen, die in den neunziger
Jahren die Balanced Scorecard einsetzten. Sie waren damit sehr, sehr
erfolgreich, z.B. Firmen wie Mobil Oil, die sich von der letzten Position
hinsichtlich Profitabilität in ihrer Branche auf den ersten Platz vorgearbeitet
haben. Die Balanced Scorecard gab ihnen die Möglichkeit, die gesamte
Organisation zu fokusieren. Und Fokusierung macht den Unterschied: Anwender der
Balanced Scorecard setzen ihre Strategie erfolgreich um.
Jürgen Daum: Was werden die großen
Herausforderungen für Unternehmen im neuen Jahrzehnt sein ?
David Norton: Eine bezieht sich auf das Umfeld von Unternehmen.
Investoren, Aufsichtsbehörden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit verlangen
alle zunehmend mehr Einblick. Und die einzige Art, wie heute Unternehmen
Rechenschaft ablegen, ist finanziell. Ich glaube deshalb, dass ein Balanced
Scorecard Ansatz zum Standard für das externe Berichtswesen an Investoren und
Anteilseigner werden wird. Genauso wie sich die Wirtschaft insgesamt immer mehr
von einer Sachanlagen-intensiven zu einer Intangibles-intensiven Wirtschaft
gewandelt hat, genauso wird sich auch die Rechungslegung von einem
finanzorientiertem Reporting zu einem Balanced Scorecard Reporting verändern.
Jürgen Daum: Und welche sind die weiteren Herausforderungen ?
David Norton: Die zweite, die ich
sehe, hat mit der Management Disziplin selbst zu tun. Die zunehmend auf
Intangibles basierende Wirtschaft verlangt, dass Sie mehr auf die Beziehung
zwischen heutigem Handeln und dessen langfristigen Auswirkungen achten. Mit anderen Worten, es erfordert „Systems
Thinking“ und die analytischen Werkzeuge, die dazu benötigt werden. Die dritte Herausforderung ist das Konzept
einer ausgewogenen Strategie. Eine Strategie erfordert immer, dass Sie eine
Balance zwischen kurzfristiger Produktivität, mittelfristigem Schaffen von
Kundennutzen, und langfristig ausgerichteter Innovation halten. Und darüber
werden Unternehmen auch Rechenschaft ablegen müssen. Sie werden sowohl über
ihre Produktentwicklungs-Pipeline berichten müssen und über Dinge wie
Kundenbindung und Qualität als auch darüber, wie sich die Kosten je
Geschäftsvorfall entwickeln.
Jürgen Daum: Vielen Dank Herr David Norton für das interessant
Gespräch.
1Siehe z.B.: Robert S.
Kaplan, David P. Norton, The Strategy-focused
Organization, Harvard Business School Press, ISBN: 1578512506
2Dieses gekürzte Interview wurde im Newsletter
“Controlling & Finance”, Ausgabe 06/2001 veröffentlicht.
3Jürgen H. Daum, "Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu schaffen" , Galileo Business, ISBN 3-89842-112-0 (April 2002)
Mehr zu diesem Thema finden Sie im new New Economy Analyst Report (siehe z.B. im letzten Report).
Um Juergen Daums kostenlosen E-mail Newsletter (in Englisch) zu abonnieren bitte hier klicken.
©2001 Juergen Daum. All rights reserved.
Copyright, Trademarks and Disclaimer