The new New Economy Analyst
Report – Nov 13, 2001
Juergen Daum’s new New
Economy Best Practice service
©2001 Juergen Daum. All rights reserved.
Leif
Edvinsson war der weltweit erste “Director of Intellectual Capital” beim
schwedischen Finanzdienstleister Skandia. Dort hat er ein Systems für die
Visualisierung und zur systematischen Entwicklung von Intellectual und
Intangible Assets konzipiert und implementiert1. Er ist heute der Inspirator
CEO von
Universal Networking Intellectual Capital (UNIC),
ein Beratungsunternehmen für Intellectual Properties Management, und Professor
für Intellectual Capital and der Universität Lund in Schweden.
Dies ist eine gekürzte Version2
eines Interviews mit Leif Edvinsson aus dem Buch „Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu Schaffen”3 von Jürgen Daum.
Jürgen Daum: Weshalb investieren Unternehmen
heute mehr in Intangible Assets oder Intellectual Capital als in der
Vergangenheit?
Leif Edvinsson: Der Grund ist, dass
industrielle Wertschöpfungsketten nicht mehr die ökonomische Wertschöpfung
dominieren. Stattdessen ist es heute Innovation, die laufende Suche nach neuen
Wegen um Markt- und Kundenbedürfnisse zu befriedigen, die den größten
wirtschaftlichen Ertrag bringt – viel mehr als die inkrementelle Verbesserung
der existierenden Produktlinien. Das bedeutet, dass Sie als Unternehmen in
systematische Innovation und damit in Ihr Intellectual Capital investieren
müssen. Sie müssen in „Knowledge Upgrading“ investieren und in Strukturen, die
Ihnen helfen zu innovieren und einen Unterschied zu machen.
Jürgen Daum: Welches sind die
Komponenten von Intellectual Capital ?
Leif Edvinsson: Eine Komponente sind
die Menschen, Mitarbeiter, Humankapital. Die zweite ist das, was Menschen in
einer Organisation umgibt, das was ich „Structural Capital“ nenne – all die
Intangible Assets, die übrig bleiben, wenn die Mitarbeiter nach Hause gehen. Dazu
zähle ich: interne Prozesse und Strukturen, Datenbanken, Kundenbeziehungen und
so weiter. Durch „Structural Capital“ setzen Sie eine Organisation in die Lage,
ihr Humankapital produktiver zu machen. Es geht dabei nicht darum, dass die
Mitarbeiter härter arbeiten. Es geht darum, dass sie „smarter“ sind bei Ihrer
Arbeit, indem sie das Strukturkapital der Firma nutzen. Und das ist es, was den
wirklichen Wert einer Organisation darstellt: nicht Finanzkapital, nicht
Humankapital, sondern ihr Strukturkapital.
Jürgen Daum: Sie haben diese
Prinzipien bei Skandia in Schweden, in der Rolle des weltweit ersten „Director
of Intellectual Capital“ während eines tiefgreifenden strategischen
Transfor-mationsprozesses der Firma angewandt. Dieser verlief sehr erfolgreich.
Im Verlauf dieses Prozesses hat sich der IC Wert von Skandia von einem geringen
Betrag Anfang der 90er Jahre auf etwa 15 Milliarden Dollar Anfang 2000 erhöht.
Was hat sich in der Firma verändert ?
Leif Edvinsson: Zunächst mal das
Denken, zweitens das Berichtswesen, und drittens, wie wir Innovation managen
oder besser kultivieren. Wenn Sie etwas verändern möchten, müssen Sie zuerst
das Denken der Leute ändern – ihren „Mindset“. Und wenn Sie das Denken ändern
wollen, müssen Sie eine andere Taxonomie, eine andere Sprache entwickeln. Und
diese Sprache muss von Ihrem Gegenüber verstanden werden. Sie können mit vielen
Worten versuchen, Ihren CFO zu überzeugen. Aber sein mentales Modell ist nicht
auf Worte, sondern auf Zahlen fokusiert. Wenn Sie also mit jemandem kommunizieren
möchten, der eher in Zahlen denkt, dann müssen Sie eben Zahlen entwickeln.
Deshalb haben wir bei Skandia eine Zahlensprache für unser Intellectual Capital
entwickelt – der sogenannte „Navigator“. Der „Navigator“ ist eine Art Balanced
Scorecard, die wir verwendet haben, um über unsere Kundenbeziehungen, interne
Prozesse, Humankapital und unsere Finanzergebnisse zu berichten. Diese Zahlen
stellten dann auch die Basis für unseren „Supplement Report“ zu unserem
Geschäftsbericht dar, mit dem wir unsere Investoren und Stakeholder in die Lage
versetzten, den wahren Wert des Unternehmens zu verstehen. Als nächstes haben
wir uns dann dem gewidmet, was ich „Wissens-Navigation“ nenne.
Jürgen Daum: Was ist das und wie funktioniert
“Wissens-Navigation” ?
Leif Edvinsson: Das Ziel ist das
Kultivieren von Innovation. Und ernsthafte Innovation fängt immer mit einer
Analyse der verfügbaren Optionen an. Das setzt voraus, dass sie nichts als
gegeben betrachten. Sie müssen das herausfinden, von dem Sie nicht wissen, dass
Sie es nicht wissen. Das ist „Wissens-Navigation“. Sie müssen kein Experte sein
um das zu tun. Im Gegenteil, Expertenwissen kann Sie sogar behindern. Das Wichtigste ist, dass Sie eine
Sensibilität für die Dinge entwickeln, die sich um Sie herum abspielen.
Innovative Geschäftskonzepte basieren oft auf kleinen „Shifts“, die aber einen
großen Unterschied machen. Deshalb haben wir das „Skandia Future Center“
gegründet, das ein Labor für Organisationsentwicklung ist. Es dient quasi als
Arena für Wissens-Safaris und Wissens-Meetings. Während der ersten beiden
Jahre, als ich es gemanagt habe, hatte das Center fast 12000 Besucher zu
verzeichnen. Diese sind gekommen, um zum Beispiel Modelle für ein
wissensbasiertes Unternehmertum in einem Umfeld zu testen, das neue Ideen und
kreative Prozesse begünstigt. Das Future Center ist ein Ort, an dem sich
Menschen von Skandia mit Menschen treffen, die sie normalerweise nicht treffen.
Und es ist auch ein Ort, der sich sehr von dem unterscheidet, an dem sie
normalerweise arbeiten. Es ist ein Raum für Prototyping.
Jürgen Daum: Was denken Sie ist
überhaupt die Rolle von Unternehmen ?
Leif Edvinsson: Die Rolle des
Unternehmens ist es, Geschäftschancen zu nutzen und umzusetzen. In unserer
modernen Welt, wo keiner mehr alleine wirtschaftlichen Erfolg erzielen kann,
besteht die Rolle der Organisation darin, die notwendigen Strukturen bereit zu
stellen, die es Individuen erlauben, so zusammenarbeiten, dass sowohl ihre
Talente als auch bestehende Marktchancen optimal genutzt werden um ökonomischen
Wert zu schaffen. Und wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, seine Chancen
zu nutzen und umzusetzen, dann liegt das an seinen schwach ausgeprägten
Organisations-fähigkeiten. Man kann das übrigens messen, mit einem Konzept, das
ich „IC Multiplier“ nenne: es ist der Wert des Strukturkapitals geteilt durch
den Wert des Humankapitals. Diese Kennzahl zeigt, dass der Wert des
Strukturkapital größer sein muss als der Wert des Humankapitals. Sonst besitzen
Sie keinen „Multiplier“, sondern das Gegenteil, was zu einer Erosion Ihres
Humankapitals führen wird. Wenn Ihr Strukturkapital zu schwach ausgeprägt ist,
wird es Ihr Humankapital nicht in ökonomischen Wert transformieren können. Das
bedeuted, dass die größte Wertkomponente ihres Intellectual Capital
Strukturkaptial sein muss, mit dem Sie Humankapital erst produktiv machen. Die
finanzielle Größe mit der man das misst ist „Value Added per Employee“.
Humankapital muss in Strukturkapital
transformiert werden, das dann wiederum als Hebel für die Nutzung von
Marktchancen dienen kann.
Jürgen Daum: Welche sind die
Management-Herausforderungen der Zukunft?
Leif Edvinsson: Ich denke, eine der
großen Herausforderungen für das Management wird in der Zukunft das sein, was
ich „Knowledge Care“ nenne. Und „Knowledge Care“ bedeutet, wie Sie sich als
Führungskraft um das implizite Wissen Ihrer Mitarbeiter kümmern. Burn-out ist
leider die am schnellsten sich ausbreitende Krankheit unter Knowledge Workern
in der ganzen Welt. Und das ist kontraproduktiv - auch für die Organisationen,
nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter. Talente mit Burn-out sind keine
Talente mehr und werden nicht mehr in der Lage sein, zu wertschaffenden
Innovationen beizutragen. Es ist eine Verschwendung von Kapital, von
Humankapital. Firmen sollten sich deshalb mehr auf ihr Strukturkapital
konzentrieren. Und das bedeutet, dass sie Arbeitsregelungen und ein
Arbeitsumfeld schaffen müssen, das es zum Beispiel „Wissens-Nomaden“ erlaubt,
im Unternehmen täglich zwei bis vier Stunden mit dem vorhanden Strukturkapital
zu arbeiten. Teilzeit ist das Arbeitskonzept der Zukunft. Und dieser Trend wird
die Natur und den Charakter von wertschaffenden Interaktionen in Unternehmen
verändern. Es wird einen gewaltige Veränderung geben, die sowohl das traditionelle
Management von Unternehmen aber auch die Politik zu einer Transformation
herausfordern wird.
Jürgen Juergen Daum:
This trend to report to the outside not just financial but also more
non-financial figures in a structured way is very interesting. I discussed this
recently with controlling experts here in Germany. And the fact is, that
controllers here are already required to be involved in this type of
communication on the none-financial
drivers, which provide external parties, mainly investors, with insight into
the long- term
value creation process of the company.
David Norton:
Yes, I think you will probably see that happen faster in Europe than in the US.
The trend is happing in both places,.
bBut
the US tends to be much more reserved about communicating bad information to
shareholders. So there is a real
reluctance on the part of corporate executives to communicate anything they
don’t have to. I think that’s less so in Europe. You tend to see more
innovation that way.
Daum: Vielen Dank, Herr
Edvinsson, für das interessante Gespräch.
1 siehe: Leif Edvinsson, Gisela Brünig,
„Aktivposten
Wissenskapital. Unsichtbare Werte bilanzierbar machen“, Dr. Th. Gabler Verlag, 2000, ISBN 3409115404
2 Dieses gekürzte Interview wurde im Newsletter
“Controlling &
Finance”, Ausgabe 10/2001 veröffentlicht.
3 Jürgen H. Daum, "Intangible Assets oder die Kunst,
Mehrwert zu schaffen" , Galileo Business, ISBN 3-89842-112-0
Weitere Quellen zum Thema Intellectual Capital
Management:
Business Management in the new, New Economy
- How to exploit Intangible Assets to Create Value -
Vortrag von Jürgen
Daum bei der Europäischen mySAP Financials Conference im Juni 2001 in Basel / Schweiz
Human Capital in Transformation: Intellectual
Capital Prototype Report, Skandia 1998 Skandia’s Intellectual Capital Supplement Report als Anlage zum
Geschäftsbericht 1998
Die “Guideline For Intellectual Capital Statements” des
Dänischen Handels- und Industrieministeriums (in Dänemark sind Unternehmen mit
“signifikantem Intellectual Capital” in Zukunft verpflichtet, ein solches
Statement mit dem Jahresbericht zu erstellen).
The new FASB rules for reporting on Intangible
Asset - The European versus the U.S. way - Bericht über
die neuen US-GAAP Regeln zur Behandlung von Goodwill und Intangible Assets als
dem amerikanischen Ansatz, mit Intangibles umzugehen, sowie eine
Zusammenfassung der neuen Regeln, die in Kürze in Dänemark gelten und die
Firmen verpflichten, über ihr Intellectual Capital im Rahmen des
Jahresabschlusses zu berichten.
Mehr zu diesem Thema finden Sie auch
im new New
Economy Analyst Report (siehe z.B. im letzten Report).
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