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| Buchtip zum Thema |
Artikel v. J.D. "Wertreiber Intangible
Assets" | A European Peer Discussion…| Intangible Assets und
Intellectual Capital Management |
Interview mit J.H.Daum | Interview mit David Norton | Interview mit Leif Edvinsson | Interview mit Baruch Lev |


·
Die wachsende Bedeutung
immaterieller Produktivfaktoren
· Mehr Aufmerksamkeit für Intangible Assets in schwierigen Zeiten
· Die Ganzheitliche Betrachtung ist gefragt
·
Vom Financial Accounting zum Business Accounting
·
Die Kostenrechnung zum
Corporate Performance Management- und
Unternehmenssteuerungs-System ausbauen
·
Vom Financial
Statement Reporting zum Business Reporting
· Unternehmensmanagement
wird noch mehr zum Balanceakt
In schwierigeren
wirtschaftlichen Zeiten stehen die „harten“ Themen, wie Kosteneffizienz und
Profitabilität, im Vordergrund. Unternehmen und ihre Manager müssen aber
aufpassen, dass ein zu enger Fokus auf die „Bottom-Line“, das finanzielle
Ergebnis, sich nicht als zu kurzsichtig erweist und etwa beim Cost Cutting,
neben überflüssigen Fett, auch Muskelgewebe entfernt wird, auch wenn dies nicht
sofort als solches erkennbar ist.
Denn
beim Blick auf die Ergebnisrechnung und die Bilanz bleiben wichtige und
kritische Erfolgsfaktoren unsichtbar, die aber die Nachhaltigkeit der
finanziellen Ergebnisse von Unternehmen aller Branchen heute entscheidend
bestimmen: ihre Intangible Assets in Form von Humankapital,
Geschäftsbeziehungen, Bekanntheitsgrad und Ideen, Know-How und
Unternehmenskultur, Innovationskraft und Reputation in der Öffentlichkeit.
Unternehmen
haben über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich immer mehr Aufwand in die
Vorbereitung ihrer operativen Leistungsprozesse gesteckt, durch die Kunden mit
Dienstleistungen und Produkten bedient werden. Sie haben immer mehr in
Forschung und Entwicklung, Markenaufbau, Aufbau von Kundenbeziehungen,
Weiterbildung von Mitarbeitern oder auch Informationstechnik investiert.
Aufwendungen, die meist als Kosten ausgewiesen werden, haben somit einen
investiven Charakter erhalten und haben geholfen, immaterielle Werte,
Intangible Assets, zu schaffen, die in keiner Bilanz berücksichtigt werden,
aber sehr wohl bei der Bewertung eines Unternehmens aus Sicht eines Investors
oder Käufers in die Betrachtung einfließen.
Ein
deutlicher Indikator dafür ist, dass sich der Anteil des Buchwerts am
Gesamt-Unternehmenswert (Marktwert) börsennotierter Unternehmen von
durchschnittlich 60 Prozent Anfang der 80er Jahre, auf nur noch rund 20 Prozent am Ende des
Jahrhunderts reduziert hat. Von den im Marktwert reflektierten
Produktivfaktoren eines Unternehmens werden also nur noch etwa ein Fünftel im
Rechungswesen erfasst, das als Basis für das externe Reporting aber auch für
die interne Steuerung dient.
Vor 20 Jahren, als noch ein geringerer Teil der Wertschöpfungspotentiale eines Unternehmens durch die Maschen der Rechnungswesen- und der Managementsysteme gefallen ist, war auch die Wahrscheinlichkeit geringer, dass man mit einem Kosteneinsparungsprogramm, das ja nur die im Rechnungswesen abgebildeten Sachverhalte berücksichtigt, „ins Fleisch schneidet“. Heute ist die Gefahr, dass man für die Zukunft dringend benötigtes Potential bzw. die Aktivitäten, die dieses schaffen und aufrecht erhalten, übersieht, signifikant angewachsen, da diese Potentiale ja nirgends verlässlich angezeigt und in keinem Managementbericht dargestellt werden.
Empirische Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass Investitionen in traditionelle industrielle, auf Sachanlagen basierende Fertigungsaktivitäten oft gerade noch die Kapitalkosten verdienen und keinen Mehrwert schaffen. Mehrwert, also Renditen über den Kapitalkosten, werden heute in unserer service- und durch Wissensarbeit geprägten Wirtschaft vor allem durch Innovationsarbeit im strategischen Management, in der Produkt- und Marktentwicklung, und beispielsweise im Aufbau einzigartiger Beziehungen zu Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern geschaffen. Um dies aber möglich zu machen, müssen Manager die Fähigkeit entwickeln, den erwarteten Return on Investments im Bereich Forschung und Entwicklung, Mitarbeiter-Fortbildung, Informationstechnologie, Markenführung und bei anderen Intangible Assets zu ermitteln, und diesen mit dem Ertrag von Investitionen in Sachanlagen zu vergleichen, um eine optimale Allokation der Unternehmensressourcen sicherzustellen.
Aber genau hier
liegt das Problem: die meisten Unternehmen verfügen heute nicht über die
erforderlichen Informationen und die Management-Werkzeuge, die es ihnen
erlauben Intangible Assets effektiv zu managen. In solche Managementsysteme zu
investieren, könnte deshalb eine wichtige Aufgabe werden – gerade in einer
wirtschaftlichen Abschwungphase.
Genauso wie zu Beginn des 20 Jahrhunderts die industrielle Massenproduktion, als damals neuer Wertschöpfungsmotor, die Erweiterung der bis dahin üblichen Buchführung durch eine komplexe Kostenrechnung erfordert hat, um dem Management die Steuerung und Optimierung der neuen Wertschöpfungsprozesse zu ermöglichen, genauso muss heute das Rechnungswesen, das Controllingsystem, als auch das externe Berichtswesen um Sichten erweitert werden, mit denen sich die neuen wertschaffenden Tätigkeiten und Prozesse, etwa im strategischen Unternehmensmanagement, in der Produkt- und Marktentwicklung, als auch im Aufbau von Beziehungen mit Kunden und Geschäftspartnern, erfassen und darstellen lassen.
Der Wert von Intangible
Assets entsteht und entfaltet sich erst im konkreten Kontext und Zusammenhang.
Investitionen in das Humankapital, etwa in Form von Schulungen, generieren nur
dann finanziellen Wert durch geringere Kosten oder höhere Erlöse, wenn dies mit
anderen Faktoren, wie etwa angepassten Geschäftsabläufen und der Verfügbarkeit
der richtigen Informationssysteme kombiniert wird. Investitionen in die
Produktentwicklung können nur zu Marktanteilen führen, die die
Produktentwicklungskosten und zudem einen Gewinn einspielen, wenn das Unternehmen
auch über die entsprechenden Beziehungen zu potentiellen Kunden für diese
Produkte bzw. zu passenden Vermarktungspartnern verfügt, die eine rasche
Vermarktung ermöglichen, bevor die Wettbewerber nachziehen können.
Es muss also das gesamte Wertschöpfungssystem betrachtet werden, in dessen Rahmen Intangible Assets geschaffen und vor allem verwertet werden. Dabei spielt die Unternehmensstrategie, die die wesentlichen Potentiale eines Unternehmens zu einem einzigartigen „Wertrezept“ bündelt, eine wichtige Rolle.
Erst aus
einer solchen systemischen Betrachtung heraus lässt sich auch entscheiden, ob
beispielsweise Investitionen in die Produktentwicklung als Assets im
Rechnungswesen verbucht werden
können. Baruch Lev, Experte für Accounting im Zusammenhang mit
Intangible Assets und Professor an der Stern School of Business der New York
University schlägt
beispielsweise vor, Entwicklungsaufwendungen zu aktivieren,
sobald Informationen vorliegen die bestätigen, dass diese zu positiven und
gesicherten wirtschaftlichen Ergebnissen führen1.
Dies
ist jedoch nur möglich, wenn im Rahmen der Produktentwicklung Informationen aus
den Vermarktungs- und Kundenbeziehungsprozessen möglichst frühzeitig beschafft,
analysiert und durch Tests verifiziert werden. Das Rechnungswesen muss also mit
den neuen Wertschöpfungsprozessen enger verzahnt werden, genauso wie die
klassische industrielle Kostenrechnung bzw. die bislang übliche Gewinn- und
Verlustrechnung für den Ausweis der Herstellkosten mit den Produktionsprozessen
enger verzahnt werden musste.
Dazu muss
das traditionelle Financial Accounting zu einem erweiterten Business Accounting
ausgebaut werden, das das Business Modell des jeweiligen Unternehmens
reflektiert. Dabei sollen in der Gewinn- und Verlustrechnung , neben den
Herstellkosten, auch die Kosten anderer
Wertschöpfungsaktivitäten im Wertschöpfungsmodell des Unternehmens ausgewiesen
werden, wie die der
Produktentwicklung, des Kompetenzaufbau von Humankapital, des Ausbaus der
Vermarktungspartnernetzwerkes etc.. Aufwendungen mit
Investitionscharakter könnten, wie von Baruch Lev vorgeschlagen, in der Bilanz aktiviert werden,
sobald
entsprechende gesicherte Erkenntnisse über deren Nützlichkeit und Erfolg
vorliegen, und sollten ratierlich abgeschrieben werden, sobald die
entsprechenden Erlöse fließen. Dies würde die Gewinn- und
Verlustrechnung
in ihrer
Aussagekraft
erhöhen, da diese nicht mehr durch Aufwendungen mit
Investitionscharakter verzerrt wird. Zudem kann durch den Ausweis aller
Investitionen in der Bilanz der „Return on Investment“ der wichtigsten
Investitionsmaßnahmen ermittelt werden.
Die
Kostenrechnung, das traditionelle Instrument für die interne Steuerung, sollte zu einem
das gesamte
Spektrum des jeweiligen Wertschöpfungssystems
eines Unternehmens umfassenden
Unternehmenssteuerungssystems ausgebaut werden, das auf dessen
Effektivität im Hinblick auf Markt- und Stakeholdererwartungen abhebt.
Dies umfasst das kontinuierliche Strategiemanagement, das das gesamte „Wertschöpfungsrezept“ des Unternehmens steuert und über entsprechende strategische Programme immer wieder an neue Gegebenheiten anpasst, das Corporate Performance Management, das die Gesamtperformance des Unternehmens über alle ökonomischen Subsysteme und Wertschöpfungsaktivitäten hinweg optimiert, und das Business Controlling, das die einzelnen wertschöpfenden Aktivitäten z.B. in den Bereichen Produktentwicklung, Fertigungssteuerung, Kundenbeziehungsmanagement, und beim Ressourcenmanagement im Bereich Humankapital, Finanzen, Informationssysteme etc. steuern und laufend zu optimieren hilft.

Abbildung
1: Das Tableau de Bord – Management-Informationssystem für die
Unternehmenssteuerung
Die wesentlichen Element eines solchen Steuerungssystems sind ein umfassendes aber trotzdem möglichst konzentriertes Mess- und Kennzahlsystem in Form eines sogenannten Tableau de Bord (s. Abbildung 1). Es erlaubt die systematische Performance- und Risikoüberwachung des gesamten Unternehmens-Wertschöpfungssystems und ist ein wichtiger Baustein für das Managementsystem. Zusätzlich erforderlich sind Managementprozesse, die einen schnellen und effizienten Wissensaustausch zwischen einzelnen Managern im Unternehmen ermöglichen, um eine optimale Verwertung dieser Informationen sicherzustellen. Dazu zählen ein strategischer Managementprozess, der einen kontinuierlichen strategischen Dialog im Unternehmen etabliert und auf diese Weise sicherstellt, dass die Unternehmen externen Entwicklungen, die Intangible Assets-basierte Wettbewerbspositionen gefährden könnten, immer eine Nasenlänge voraus ist, sowie einen Performancemanagementprozess, der die Verwertung der vorhandenen Assets im Hinblick auf kurzfristige Ergebnisziele optimiert. Beide „Enterprise Management Prozesse“ sind mit den operativen Management Prozessen über festgelegte Abstimmpunkte verzahnt (s. Abbildung 2)2.

Abbildung 2: Management Prozesse als organisatorischer Rahmen für Management Dialoge zur kontinuierlichen Abstimmung
Vom Financial
Statement Reporting zum Business Reporting
Darüber hinaus
muss das
traditionelle externe Reporting, das bislang ausschließlich
auf den Financial
Statements basiert, zu einem umfassenderen Business
Reporting ausgebaut werden. Dieses soll Investoren und
anderen externen Stakeholdern Einblick in die tatsächlich wertschöpfenden
Aktivitäten heutiger Unternehmen
gewähren und es diesen
erlauben,
die wahren
Potentiale und Risiken des Unternehmens,
als auch dessen
Fähigkeit, diese in nachhaltige Ergebnisse umzusetzen, einschätzen zu können.
Als allgemeine
Meinung
kristallisiert sich zunehmend heraus, dass Unternehmen
zusätzlich
zu den Financial Statements mittels eines sogenanntes „Supplemental Reporting“ über ihre Geschäftsstrategie, ihr
Geschäftsmodell, als auch über darauf bezogenen Operational und Intangible Key Performance Indicators berichten sollten.
Entsprechende Vorschläge wurden etwa von Projektgruppen der amerikanischen
Börsenaufsichtsbehörde SEC und des
Financial Accounting Standards Boards (FASB)
gemacht.
In eine ähnliche Richtung gehen auch die Ansätze für ein kennzahlbasiertes
Zusatzreporting inklusive Hintergrundinformationen in Dänemark unter der
Bezeichung „Intellectual Capital Statement“.
Das vorher für
die interne Unternehmenssteuerung beschriebene Konzept eignet sich somit
prinzipiell auch für die externe Berichterstattung. Allerdings wird man einen geringeren
Detaillierungsgrad wählen und bestimmte Informationen aus Wettbewerbsgründen weglassen.
Wichtige Stakeholdergruppen müssen darüber hinaus in einen laufenden aktiven Dialog einbezogen werden, um diese dauerhaft für das Unternehmen zu engagieren: Stakeholder Relationship Management wird zum Tagesgeschäft und muss in die internen Managementprozesse integriert werden (s. Abbildung 3).

Abbildung 3: Erweitertes Corporate Reporting und Communications Konzept
Das Erfolgsrezept für
Unternehmen aller Branchen heute und in der Zukunft ist somit die Kombination
neuer und alter Erfolgsfaktoren: von (kurzfristiger) Profitabilität und dem
Aufbau von (langfristigem) immateriellen Potential in Form von Intangible
Assets. Unternehmensmanagement wird so zum Balanceakt, das heute für Gewinne
und Cash Flows sorgen muss, um die Zukunft finanzieren zu können, das aber auch
gleichzeitig sicherstellen muss, dass die Programme zum Aufbau des
Zukunftspotentials erfolgreich laufen.
Dafür ist seitens des
Managements ein breites und tiefes Verständnis über alle wichtigen
Wertschöpfungsbereiche des Unternehmens und ein systemisches Denken
erforderlich, um die Wechselwirkungen im System und die Gesamtwirkung auf den
langfristigen Unternehmenserfolg abschätzen zu können.
Unternehmerische Fehlentscheidungen, die aus der mangelnden Fähigkeit resultieren, Intangible Assets zu erkennen und diese richtig zu managen, verhindern ihre Nutzung und das durch sie mögliche wirtschaftliche Wachstum und gefährden im schlimmsten Fall die Existenz des Unternehmens. Die systematische Vermeidung solcher Fehlentscheidungen durch ein verbessertes Managementsystem wird deshalb kaum zu überschätzende Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg und die Fähigkeit haben, nachhaltig profitabel zu sein. Management- und die entsprechenden Informationssysteme die dabei unterstützen, werden somit selbst zu einem wichtigen Produktivfaktor.
1 Baruch Lev, Intangibles:
Management, Measurement, and Reporting, Washington D.C. 2001, S. 122-127
2 Jürgen H. Daum, Intangible Assets
oder die Kunst, Mehrwert zu schaffen, Bonn 2002, S.
255-372
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Intangible Assets
oder die Kunst Mehrwert zu schaffen
Von Jürgen H. Daum
Galileo Press, Bonn, 2002
ISBN 3-89842-112-0
Website zum Thema:
Juergen Daum’s Website zur
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- Das Kompetenz-Center für Unternehmenssteuerung, Management und Controlling -
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